Die Mommert-Stallform stimmt

Berlin-Mariendorf. 16. Juli 2017

Zwei Zehntausend-Euro-Rennen bildeten den letzten sportlichen Höhepunkt vor der Derby-Woche (28. Juli bis 6. August) und die Aufmerksamkeit ruhte natürlich ganz besonders auf dem dritten Lauf des Super Trot Cups. Denn hier wurden erneut zwei Tickets für das mit 60.000 Euro Preisgeld dotierte Finale vergeben, das gemeinsam mit dem trotto.de 122. Deutschen Traber-Derby den Höhepunkt des letzten Veranstaltungsstages der wichtigsten Rennwoche der Republik bilden wird. Um es vorwegzunehmen: Wie schon im ersten Lauf, als er in der Startphase scheiterte, erwies sich der erneut als Favorit angetretene Wallach Victorious Star als Pechvogel des Rennens. Diesmal ging der – nun von seinem Trainer Conrad Lugauer gesteuerte – bildhübsche Traber zwar glatt und er machte sich sogar um die Führungsarbeit verdient. Aber trotz einer wirklich exzellenten Leistung und einer 13-er Kilometerzeit verpasste Victorious Star das Finale als Drittplatzierter um wenige Zentimeter, denn er wurde im Einlauf zunächst vom späteren Sieger Lighten up Today und Michael Nimczyk abgefangen und im Anschluss schob sich mit dem allerletzten Schritt auch noch Popeye Diamant (Gerhard Biendl) an dem schwedischen Traber vorbei. Das Publikum wird Lighten up Today und Popeye Diamant nun also am 6. August im „Finale Grande“ des Super Trot Cups wiedersehen.

Man darf sich darauf mächtig freuen - denn beide Pferde, die in der Tagesbestzeit von 13,2/1.900m um eine halbe Länge voneinander getrennt über die Linie stürmten,  agierten in vorzüglicher Art und Weise. Lighten up Today kämpfte auf der Startgeraden kurz um die Spitze mit. Als aber auch einige andere der zehn Teilnehmer Offensivgeist entwickelten, überhastete Michael Nimczyk mit Ulrich Mommerts Traber nichts und bezog die Position im dritten Paar außen. Direkt neben ihm hielt Gerhard Biendl seinen Schützling als fünftes Pferd innen versteckt und nutzte, als es auf die Zielgeraden ging, konsequent jeden Zentimeter Freiraum aus. Popeye Diamant wurde noch höllisch schnell – aber da war die Entscheidung bereits gefallen. Denn Lighten up Today, der vom Deutschen Meister Ende der Gegenseite flottgemacht worden war, ließ nichts mehr anbrennen. Dabei kam der Wallach aus einer siebenwöchigen Ruhe. Sein Trainer Michael Larsen berichtete: „Er war ein bisschen krank und ich konnte ihn die ganze Zeit nicht schnell arbeiten. Gerade deswegen war sein heutiger Auftritt einfach phänomenal“ Und auch Michael Nimczyk schwärmte: „Angesichts dieser Leistung freue ich mich schon jetzt auf das Finale, denn ich bin mir sicher: Dort wird Lighten up Today sogar noch besser sein!“

Michael Nimczyk und Lighten up Today

Michael Nimczyk und Lighten up Today (Foto: Marius Schwarz)

Das Geschehen im zweiten Mariendorfer Zehntausender, der Breeders-Course-Elimination, ist schnell erzählt. Da der Hengst Vo’Via aufgrund fehlender Ausfuhrpapiere nicht teilnahmeberechtigt war, versammelten sich lediglich vier Dreijährige hinter den ausgeklappten Flügeln des Mariendorfer Startwagens. In dieser Phase kam obendrein der 15:10-Topfavorit New Dawn (Thorsten Tietz) – bis dato die personifizierte Trabsicherheit – schwer von den Beinen. Also waren schon nach wenigen Metern nur noch drei Teilnehmer in der Wertung verblieben, die sich im Anschluss aber erfreulicherweise keine Unsicherheiten mehr leisteten. Im Gegenteil – sie servierten dem Publikum einen spannenden Rennverlauf, den Valentina Wind und Robin Bakker von der Spitze aus in 16,1/1.900m sehr souverän beherrschten. Die dreijährige Stute wies die Attacken von Happy Occagnes (Michael Nimczyk) leicht und locker ab und da sich Valentina Winds Stallgefährte Vincent (Danny Brouwer) mit dem letzten Schritt an Happy Occagnes vorbei das zweite Geld schnappte, wurde der Doppeltriumph der niederländischen Farben des Stalles Why Not und das Erfolgserlebnis für Trainer Paul Hagoort perfekt. Bei der Siegerehrung gab sich Robin Bakker selbstbewusst: „Ich hoffe, dass beide Pferde im Finale am 25. Juli in Jägersro eine gute Rolle spielen werden. Valentina Wind litt bei ihrem ersten Mariendorfer Auftritt im Mai noch an kleineren Rückenproblemen, die mittlerweile gelöst sind. Die Stute hat sich danach prächtig entwickelt und steht vor einer tollen Zukunft.“

Robin Bakker und Valentina Wind

Robin Bakker und Valentina Wind (Foto: Marius Schwarz)

Ein riesiges Kompliment hatte sich der von Dennis Spangenberg präsentierte Stan Libuda verdient, denn der Wallach traf es bei seinem Sieg im Sommer-Pokal des VDT alles andere als leicht an. Zum einen, weil er zwanzig Meter Zulage zu verdauen hatte und zum anderen, weil er trotz enormer Kraftanstrengung auf der ersten halben Runde partout nicht an dem Tempomacher Hamilton Noa (Conrad Lugauer) vorbeikam. Dennoch bog der zwischendurch wieder an die Innenkante beorderte 13:10-Favorit mit den letzten Schritten den Spieß  in 14,0/2.020m noch erfolgreich um, obwohl er auf der Zielgeraden erst noch seinen Trainingsgefährten Dreambreaker (Thorsten Tietz), der das dritte Geld erhielt, umschiffen musste. Dennis Spangenberg: „Ich wollte unbedingt die Spitze – dann wäre die Messe sicherlich schnell gelesen gewesen. Aber es war wirklich super, was Stan Libuda trotz des nicht erwarteten Rennverlaufs gezeigt hat. Er ist ein erstklassiges Pferd!“ Ein ähnliches Attribut galt auch für Dennis Spangenbergs zweite Tagessiegerin Lady Vera, die 1.400 Meter vor dem Ziel das Kommando übernahm und ihre gewiss nicht schlechten Konkurrenten in 13,8/1.900m regelrecht deklassierte. Die Stute soll nun das Bruno-Cassirer-Rennen bestreiten. Für Dennis Spangenberg war der Nachmittag damit allerdings noch nicht beendet, denn er punktete auch mit dem 146:10-Außenseiter Sean O’Malley, der von einem geschonten Verlauf profitierte und seine Reserven auf den letzten zweihundert Metern ausspielte.

Dennis Spangenberg gewann drei Rennen

Dennis Spangenberg gewann drei Rennen (Foto: Marius Schwarz)

Und hier die weiteren Sieger der Veranstaltung, die mit der 14.3-Qualifikation der dreijährigen Stute Extra Cash überaus spektakulär begann: Ein filmreifes Finish zweier herausragender Pferde gab es im Amateurfahren der Gewinnsummenklasse bis 35.000 Euro. Als Sieger ging Soccer (Günter Schiefelbein) aus diesem Duell hervor, der mit einer die gesamte Zielgerade hinunter währenden Attacke den innen beherzt gegenhaltenden Rossini Diamant (Sarah Kube) bezwang. Ausgesprochen beeindruckend präsentierte sich auch Tiffany Diamant, die von Gerhard Biendl einen perfekten Rennverlauf als zweites Pferd an der Innenkante serviert bekam und ihre Reserven grandios ausspielte. Maine (Thorsten Tietz) gewann Start bis Ziel hochüberlegen, musste aber eine Prüfung durch die Stewards bezüglich ihrer Gangart überstehen. In einem von Galoppaden der Favoriten geprägten Rennen wurde die zunächst an fünfter Stelle postierte Lovely Princess (Michael Hönemann) auf dem letzten halben Kilometer immer stärker und trumpfte zur Siegquote von 207:10 (Place: 124:10) auf. Mit Strawberry Diamant (Michael Nimczyk) und Louisa (Thomas Panschow) auf den weiteren Plätzen zahlte die Dreierwette 18.247:10 aus! Jarich (Kay Werner) lag bis vor den Tribünen an dritter Stelle und setzte aus dem Schlussbogen heraus zum Angriff an. Der fein in Schwung gekommene Wallach, der in der vergangenen Saison noch überhaupt nicht wie ein Siegertyp erschien, ging erstaunlich souverän an Holly Star (Michael Nimczyk) vorbei. Jarichs Besitzer Georg Radde darf der weiteren Entwicklung seines Pferdes gespannt entgegensehen.

Kay Werner und Jarich

Kay Werner und Jarich (Foto: Marius Schwarz)

Gesamtumsatz: 171.588,51 Euro – Bahnumsatz: 47.852,70 Euro - Außenumsatz: 123.735,81 Euro.

Unser Terminhinweis: Es ist soweit: In wenigen Tagen startet die Derby-Woche! Deutschlands bedeutendstes Trabsportereignis beginnt mit dem großen Entertainment-Renntag am Freitag, dem 28. Juli (ab 15.30 Uhr). Starterangabe für diesen Renntag ist am Mittwoch, dem 19. Juli. Sie erreichen das Mariendorfer Rennsekretariat unter der Rufnummer 030-7401229 bzw. per Mail an starterangabe@berlintrab.de.

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