100_jahre_trabrennbahn_mariendorf100 Jahre: Mariendorf feierte das Jubiläum

Am 9. April 2013 wurde die Bahn 100 Jahre alt

100_jahre_trabrennbahn_mariendorf100 Jahre Trabrennbahn Mariendorf sind zugleich auch einhundert Jahre Hauptstadt-Geschichte. Gebaut noch zu Kaisers Zeiten, hat die Bahn nicht nur herausragende sportliche Höchstleistungen gesehen, sondern sie war und ist vor allem ein authentisches Stück Berlin. Die Weimarer Republik und der Nationalsozialismus, der Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder in der neuen Bundesrepublik haben auch auf der Trabrennbahn Mariendorf ihre Spuren hinterlassen. Hier werden Sie mehr darüber erfahren.

1913 - Die Eröffnung

Erfolgreicher Auftakt vor traumhafter Kulisse

Nach Weißensee (1878), Westend (1889) und Ruhleben (1909) ist Mariendorf die vierte Trabrennbahn Berlins. Der einladende Renn-Club e.V. hatte 1911 das etwa 285 000 Quadratmeter große Gelände von der Trabrenn-Gesellschaft Mariendorf GmbH gepachtet, welche in Folge diese großzügige Anlage darauf errichten ließ.

Die ebenso schöne, wie praktische Kulisse verdanken wir dem verantwortlichen Architekten Ernst Moritz August Endell (1871-1925). Anlässlich des Eröffnungs-Renntages gingen auf dem Linkskurs 63 Pferde in sieben Rennen übers Geläuf. Der dreifache Sieger Charlie Mills sicherte sich mit Afra II auch gleich den „Eröffnungspreis“.

mariendorf_1913

Tausende Schaulustige, unter ihnen Prinz Oskar von Preußen, erlebten am 9. April 1913 die Eröffnung der Trabrennbahn Mariendorf. Im Hintergrund die zwei Haupttribünen mit Cafépavillon und Richterturm.

1915 - Das Deutsche Traber-Derby

Das deutsche Traber-Derby zieht nach Mariendorf

trabrennbahn_mariendorf_zeitleiste_1915
Die Stute Pech (rechts im Bild) strafte ihren Namen am 31. Oktober 1915 Lügen.
Mit Robert Großmann gewann die Braune das über 3.200 Meter ausgeschriebene Deutsche Traber-Derby.

Die erstmals im Jahre 1895 ausgetragene Veranstaltung stand dieses Jahr zum ersten Mal in Mariendorf zur Entscheidung. Eher notgedrungen. Denn der ursprüngliche Austragungsort, die Bahn in Westend, wurde  im Zuge des ersten Weltkriegs in ein Internierungslager für Engländer umfunktioniert.

1919 - Matadoren-Rennen

Neugründung des Matadoren-Rennens


Die ersten Sieger des wiederaufgelegten Matadoren-Rennens. Der 9-jährige Hengst Magowan und sein Fahrer Robert Großmann.

Die erstmals im Jahre 1895 ausgetragene Veranstaltung stand dieses Jahr zum ersten Mal in Mariendorf zur Entscheidung. Eher notgedrungen. Denn der ursprüngliche Austragungsort, die Bahn in Westend, wurde im Zuge des ersten Weltkriegs in ein Internierungslager für Engländer umfunktioniert.

1923 - Inflation und Hindenburg-Pokal

Der höchste Preis der deutschen Trabrenngeschichte!



Wer sagt, dass es im Trabrennsport nie große Börsen zu gewinnen gab? Bereits am 1. April 1923 war das Adbell-Toddington-Rennen mit 2.250.000 Mark dotiert. Knapp 7 Monate später, am  31. Oktober beim Großen Preis von Mariendorf, lockte bereits eine stattliche Prämie von 2.400 Milliarden Mark. Am 17. November schließlich, ertrabte der Hengst Erdmann als Sieger des Hindenburg-Pokals den legendären Preis in Höhe von knapp 75 Billionen Reichsmark!  (in Ziffern 74.999.999.999.500)

1927 - Guy Bacon

Guy Bacon siegt im Matadoren-Rennen 1927



Ein sensationelles Stelldichein kontinentaler Elite bescherte 1927 das Matadoren-Meeting, in dem die Gäste mit zehn Siegen kräftig „abräumten“. Nur im Hauptrennen am 11. September konnte der von Charlie Mills gesteuerte „Löwe“ Guy Bacon nach zwei siegreichen Läufen zur Ehrung umdrehen. Diesen Erfolg wiederholte er 1928 und 1929 erneut. Der Matadoren-Renntag wurde, mit einigen Unterbrechungen, auf der Trabrennbahn Mariendorf von 1919 bis 2001 ausgetragen. Nach einer 12-jährigen Pause startet am 28. Juli 1927 eine erneute Wiederbelebung dieses Traditions-Rennens.

Die Ära Mills

Die Fahrerdynastie Mills: Vater Anthony (in der Mitte mit Lorbeerkranz) sowie die Söhne Johnny, Charlie, Eddy, Willie, Harry und Alfred

Charlie Mills (1888-1972) errang in seiner Karriere 4.364 Siege. Allein zwölf davon in einem Derby (neun deutsche, drei österreichische), sowie insgesamt 11 (!) Siege bei Matadoren-Rennen. Dazu holte er drei Mal den Lorbeer im Paris-Vincenner „Prix d`Amerique“ und schmückte sich mit 25 Landes-Championaten. Damit ist er einer der bekanntesten und erfolgreichsten Fahrer des internationalen Trabrennsports.

1927 - Winter-Rennen

Fortschritt made in Mariendorf
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Immer offen für Neues! Das erste Traber-Schlittenrennen in Berlin fand 1927 auf der Mariendorfer Bahn statt.

Gleich in zweierlei Hinsicht machte sich Mariendorf in den späten zwanziger Jahren winterfest. Einerseits begeisterte 1927 das erste Schlittenrennen die Zuschauer. Andererseits feierten die Trabsport-Fans schon 1928 eine der ersten Beleuchtungsanlagen für Großveranstaltungen. Dank der 106, zehn Meter hohen Stahlrohr-Kandelaber mit Lampen zu je 2.000 Watt Leistung, konnte in der kalten Jahreszeit nun endlich auch zu später Stunde veranstaltet werden. Durch diesen wichtigen Wettbewerbsvorteil ließen sich in Folge terminliche Überschneidungen mit anderen Berliner Bahnen vermeiden.

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Und wieder mischte die Trabrennbahn Mariendorf ganz vorn als Innovator mit. Am 4. März 1928 um 18:30 Uhr flammten zum ersten Mal die Lampen der beeindruckenden, neuen Flutlichtanlage am Geläuf auf.

1927 - Russische Gäste

Sensation - Russentraber in Mariendorf!
russische_gaeste_1927

Die Überraschung war perfekt, als am 7. Oktober 1929 drei Klassepferde von der Gestütsverwaltung des russischen Landwirtschaftsministeriums ihre Boxen auf dem Gelände der Trabrennbahn Mariendorf bezogen. Weil das Trio in der Heimat kaum Gegner zu fürchten hatte, sollte es sich nun im Ausland erproben. Mit Erfolg. Alles in allem kassierte die viel beachtete Russland-Equipe 11.504 Mark an Rennpreisen.

1927_russische_gaesteChosjain

Der Dunkelbraune mit kolossaler Hinterhand führte 11/16 amerikanisches und 5/16 russisches Traberblut im Pedigree. Er startete viermal in Deutschland, holte einen Erfolg, zwei Plätze und insgesamt 1.824 Mark. Allerdings trabte er sehr unrein und entging mehrmals nur knapp der Disqualifikation.

1938 - Mariendorf unter'm Hakenkreuz


1938_unterm_hakenkreuz

Hakenkreuzfahnen flatterten ab 1933 auch auf der Trabrennbahn Mariendorf. Im Zuge allgemeiner „Gleichschaltung“ wurden selbst bei den Trabern Funktionen mit NSDAP-Parteimitgliedern besetzt. Sportlich allerdings, ging die Saat, die Bruno Cassirer als Vereinsvorsitzender von 1919 bis 1933 gelegt hatte, zusehends auf. Mariendorf zählte Ende der dreißiger Jahre zu den führenden und exklusivsten Bahnen des Reichs.

Diese Ära endete am 10. Juni 1939, wonach die Bahn auch zweckentfremdet genutzt wurde. Bis April 1943 trabten die Pferde ausschließlich in Ruhleben. Erst im 9. Mai 1943 hieß es „Wieder in Mariendorf“.

Aber da die Situation – Bombenangriffe brachten zunehmend Tod und Zerstörung – weiter eskalierte, endeten die Rennen gezwungenermaßen mit dem 15. Januar 1945. Der Vormarsch der Alliierten auf die Reichshauptstadt war in vollem Gange, die Nachschub-Situation katastrophal. So sah sich Oberlandstallmeister Dr. Seyffert, als OBT-Chef zu folgender Anordnung gezwungen: „Auf Veranlassung des Herrn Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft sind im Hinblick auf die derzeitige Lage ab sofort die Leistungsprüfungen für Traberpferde bis auf weiteres einzustellen. – Berlin, den 24. Januar 1945.“

30. Juni 1933 - Bekanntmachung
„Der Vorstand des Trabrenn-Vereins Mariendorf (e.V) hat folgende Strafverfügung getroffen: Den Trainern J. Kaupper und M. Ringius wird das Betreten der Rennbahn Mariendorf auf Grund des §23, Abs. 5, der RO, bis auf weiteres verboten, wegen Beleidigung und öffentlicher Verhöhnung eines Mitgliedes der Reichsleitung der NSDAP. Trabrenn-Verein Mariendorf (E.V.)
Das Sekretariat, gez. Buchholz“

1941 - Bruno Cassirer

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Bruno Cassirer – Langjähriger Investor und Vorsitzender des Mariendorfer Trabrennvereins. Hier die drei bekanntesten Ansichten. In der Mitte auf einem Gemälde von Max Liebermann aus dem Jahre 1921.

1941 - Bruno Cassirer, der große Mäzen des Berliner Trabrennsports
Der Berliner Verleger Bruno Cassirer (1872-1941) hatte sein Leben der Kunst und Literatur, sowie den Trabern gewidmet. 1910 gründete er das Gestüt Damsbrück, dessen Traber in 20 Jahren 57 Mal Zuchtlorbeer einheimsten. Als Offizieller prägte er wie kein anderer den deutschen Trabrennsport und nahm als Förderer und 1. Vorsitzender des Trabrennvereins maßgeblichen Einfluss auf das Mariendorfer Gedeihen. Gleichzeitig engagierte er sich auch im Vorstand der Trabrennbahn in Berlin-Ruhleben.

1933 sah sich Cassirer wegen seiner jüdischen Abstammung aus allen Ämtern gedrängt. Er legte am 29. März gezwungenermaßen den Vorsitz in der Obersten Behörde für Traberzucht und -Rennen (OBT) nieder. In der Folgezeit verwehrte man ihm sogar den Zugang zu „seiner“ Rennbahn und nötigte ihn, den selbst gezüchteten Klasse-Hengst Leo vor dem Derby 1938 zu verkaufen…

Ende des genannten Jahres emigrierte Cassirer nach den November-Progromen nach Oxford, wo er am 20. Oktober 1941 im englischen Exil verstarb.

1947-51 - Tempelhofer Herbstfest

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Als echter Publikumsmagnet galt das Tempelhofer Herbstfest! Ab 1947 auf der Rennbahn organisiert, um nach dem Krieg „geselliges und sportliches Leben“ wiederzuerwecken.

Naturgemäß beliebt waren Modenschauen und Motorradrennen sowie Reit- und Springturniere samt Jagdreiten mit ausländischen Gästen. 1951 bejubelten mehr als 30.000 Zuschauer einen Festwagenkorso samt Kapelle, später dann Windhundrennen und Darbietungen der Feuerwehr. 1953 sorgten Hochseilakte der Traber-Renz-Truppe für viel Staunen. Zwei Jahre später klangen diese Heimatfeste mit einem verregnetem Kinderfackelzug und anschließendem Feuerwerk unwiderruflich aus.

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1948 - Die Alliierten

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Alliierte Piloten ehrten Fritz Arend (vorne links) den Sieger des „Preises der Luftbrücke“. Die Wiedereröffnung der Mariendorfer Bahn war bereits am 3. Juli 1946 über die Bühne gegangen. Bis 1948 hielten jedoch noch die Allierten die Totalisatorlizenz. Diese ging im selben Jahr an den Veranstalter zurück.

1949 - Das doppelte Derby

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Stella Bella gewann im Juni 1949 gleichermaßen Derby-Lorbeer in Karlshorst und Mariendorf!
Damit sorgte die von  Gerhard Krüger gefahrene Stute weltweit für ein Novum.

Von 1946-48 fand das Deutsche Traber-Derby unter sowjetischer Verwaltung in Berlin Karlshorst statt. 1949 beschlossen die Veranstalter auf der West-Berliner Trabrennbahn Mariendorf das Derby wieder auf der heimischen Bahn zu veranstalten. Die Ost-Berliner Offiziellen wiederum wollten sich verständlicherweise Ihr Derby nicht einfach so aus der Hand nehmen lassen. Und veranstalteten ebenfalls ein Derby.

Aus diesem Grund konnte Gerhard Krüger mit „Stella Bella“ zuerst in Berlin-Karlshorst (12.06.1949) und eine Woche später (19.06.1949)auf der Bahn in Berlin-Mariendorf den Sieg im Deutschen Traber-Derby einfahren.

Die Ausgabe des „Telegraf“ desselben Tages beschrieb die Situation wie folgt: „Durch die Verkehrseinschränkungen hatte man annehmen müssen, dass die in Karlshorst und die in Mariendorf trainierten Pferde unter sich blieben. Heute sind diese Hindernisse aus dem Wege geräumt…“

1950 - Permit

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1950_permitDer schnelle Fuchshengst Permit triumphierte 1950 im Matadoren-Rennen. Diesen Coup sollte der vom Hamburger Trainer Walter Heitmann vorgestellte Ausnahmetraber in den beiden Folgejahren wiederholen. Und 1953 war Permit das erste in Deutschland gezüchtete Pferd überhaupt, das im Paris-Vincenner Prix d`Amerique brillierte. Heute das bedeutendste Trabrennen Europas.

1956 - Autostart

Mit dem Startauto wurde Schnelligkeit Trumpf!

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Nach amerikanischem Vorbild von einigen Mariendorfern in Eigenregie umgerüstet, kam dieses wenig schnittige Gefährt erstmals am 22. Juli 1956 zum Einsatz. Hinter den nach rechts und links ausklappbaren Flügeln fanden sich die Starter des Deutschen Derbys ein. Und diese Bewährungsprobe glückte.

1957-60 - Filmrenntage

film-renntageViele Weltstars konnten 1957 bei einem Wagenkorso im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin bejubelt werden. Vom Kurfürstendamm machten sich 137 Cabriolets, 120 Reiter und Gespanne sowie fünf Kapellen auf den Weg. Mit von der Partie waren auch Shirley McLaine, Jean Marais (Bild oben) und Peter van Eyk. Bevor der einmalige Zug die Bahn zum Gloria-Filmrenntag erreichte, musste diese wegen Überfüllung geschlossen werden. Innerhalb der beliebten Filmrenntage starteten einige Stars, wie beispielsweise Liselotte Pulver, sogar in Prominenten-Rennen. Das Interesse an diesen Tagen schwand allerdings, als das Fernsehen seinen Siegeszug antrat.

1959 - Moderenntage

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Die Mode muss auf die Rennbahn kommen, damit die Rennbahn wieder in Mode kommt!

In Erinnerung an Hoppegartener Veranstaltungserfolge der Vorkriegszeit kreierte der Trabrenn-Verein Mariendorf gemeinsam mit einheimischer Oberbekleidungsindustrie am 19. September 1959 einen exklusiven Moderenntag. Diese farbenprächtige Revue mit viel „Berliner Chic“ fand derart viel Resonanz, dass sie zukünftig den Auftakt der Derby-Woche bildete.

1961 - Asta, Freundt und Mauerbau

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Seinen einzigen Sieg im Matadoren-Rennen verbuchte Eddy Freundt (1929-1990) dank der in Ostbesitz laufenden Stute Asta 1961. Der Europameister von 1970 fuhr 6.366 Erfolge und zehn deutsche Championate heraus.

asta_freund2Auch bei Eddy Freundt saß der Schock tief, als sich die DDR samt Ost-Berlin am 13. August mit dem Mauerbau abtrennte. Die Rennbahn Mariendorf wurde zur Insel degradiert. Dazu der TVM-Vorsitzende Heinz Kammler:
„Die Spaltung unserer Stadt ist auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zu einer tragischen Tatsache geworden. Jetzt können die Freude des Trabersports aus West und Ost nicht mehr zueinander kommen.“ Namhafte Aktive orientierten sich deshalb westwärts.

1968 - Peter Kwiet

Ein Berliner Derby Sieg

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Siegestrunken streckt Peter Kwiet im Ziel die Peitsche gen Himmel!

peter_kwiets_derby-sieg2Am 8. September 1968 fuhr der Lokalmatador Peter Kwiet (geb. 1940) mit Manzanares seinen ersten und einzigen Derby-Erfolg heraus. Hinter dem Vertreter des Stalles Zimmermann komplettierte Gerhard Krüger mit Miami II (links vorne im oberen Bild) den überraschenden Berliner Einlauf. Insgesamt errang „Kwiete“ in seiner Karriere ein Dutzend Berliner Fahrer-Championate und 4.358 Siege. Der 73-jährige Hauptstädter ist bis zum heutigen Tag ein erfolgreicher Traber-Trainer.

1970 - Walter Scheel auf der Bahn

walter_scheel_in_mariendorfErster Besuch eines Bundespräsidenten

„Ich bin gern nach Mariendorf gekommen“, äußerte Bundespräsident Walter Scheel am 12. September 1976 im 5. Obergeschoss des Tribünenhauses. Vor ihm hatte noch kein deutsches Staatsoberhaupt der Sportstätte seine Aufwartung gemacht. Selbst am Rekordumsatz des Derby-Tages von knapp 1,1 Millionen DM hatte der hohe Gast seine Aktie: „Ich habe 20 Mark gesetzt und 60 zurückbekommen – ist das gar nichts?“

 

1970 - Der Derby Pokal

Fußball und Trabrennsport

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El Torrid - Der Preis des Derby-Pokals 1970.

Nach dem Gewinn des Derby-Pokals 1970 erhielt die Elf von Blau-Weiß 90 als Preis den Wallach El Torrid. Diesen Traber trainierte Champion Peter Kwiet dann für eine Jahr kostenlos. Im Finale hatte Blau-Weiß immerhin den Bundesliga-Vertreter Hertha BSC bezwungen. Durch diesen neuen Wettbewerb gewann der Trabrennsport bei der  Fußballgemeinde an Kredit. Unüberhörbar, denn im Olympia-Stadion wurden früher ausgebuhte Mariendorfer Werbeansagen nun mit Beifall bedacht. Im Folgejahr sollte der erste Preis – die Stute Orchidea – für ebenfalls 2 Monate an den SC Wacker 04 gehen.

1970 - Maler

Sieg eines krassen Aussenseiters

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Zu den Klängen der „Berliner Luft“ dreht „Fritze“ Blaume mit dem Riesenaußenseiter Maler nach dem Deutschen Derby  1970 zur Siegerparade um.

Der für die Siegquote von 247:10 gestartete Hengst Maler vertrat beim Deutschen Traber-Derby 1970 die Farben des einheimischen Amateurs Ewalt Stamm. Dieser hatte seinen vierbeinigen Stolz während der letzten sechs Wochen  am Bahnhof Grunewald untergestellt und im Tann sogar nach wissenschaftlichen Vorgaben trainiert.

1981 - Noble Stardom

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Heinz Wewerings erster Derby Sieg

Nach seinem Vorlaufsieg beherrschte der Top-Favorit Noble Stardom erwartungsgemäß das Derby-Finale 1981. Sein Fahrer Heinz Wewering durfte sich über sein erstes Blaues Band freuen! Erst bei der Parade brach es aus ihm heraus: „Ich könnte die ganze Welt umarmen…!“

1985 - Diamond Way

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Faktisch konkurrenzlos marschierte der von Heinz Wewering gesteuerte Diamond Way 1985 zu Derby-Lorbeer.

In dieser Saison sollte der Crack in allen 15 Rennen, darunter auch im Mailänder Orsi Mangelli, unbehelligt bleiben! Am Ende seiner nur vierjährigen Karriere hatte der Hengst damals schier unglaubliche 1,5 Millionen DM auf dem Konto.

Später avancierte der Braune standesgemäß zu DEM deutschen Beschäler der Extra-Klasse. Sein Fahrer und Trainer Heinz Wewering (geboren 1950) wiederum gilt mit nunmehr 16 655 Erfolgen (HVT-Stand 27. März 2013) weltweit als siegreichster Trabrennfahrer aller Zeiten. Seine Bilanz zieren zudem zwei Welt- und vier Europameister-Titel sowie 29 Landeschampionate der Fahrer.

1988 - Tornado Hannover

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Erfolgreiches Jahr für den Stall Candoit

Gefahren vom 16-fachen Berliner Fahrer-Champion Gottlieb Jauß (1942-1999), widerstand der Stall Candoit-Vertreter nach Kampf dem stark aufholenden Außenseiter Heaven. Gleichen Jahres triumphierte der „Tornado“ auch in Mailands Europa-Dreijährigen-Gipfel namens Gran Premio Orsi Mangelli. Bis zu seinem tödlichen Verkehrsunfall verbuchte Publikumsliebling „Gottl“ 4.401 Siege.

1989 - Mauerfall

Beide Berliner Trabrenn-Pisten wieder vereint

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Oben links - Glückliches Wiedersehen - Harald Japke, Gerhard Krüger &  Erich Schmidtke (v.l.n.r.).

Oben rechts - Dieter Leimbach zählte zur DDR-Amateurfahrer-Elite (1981 Vize-Champion). Er brachte  es auf 150 Siege, fuhr vor allem für den Rennstall Lindenhof (Trainer: Horst Pätzel).

Nach dem Mauerfall am 9. November 1989 war auch die Berliner Trabergemeinde endlich wieder vereint! Und da man so viele Jahre auf Wettbewerbe verzichten musste, wurden schon am 17. und 31. Dezember die ersten Fahrervergleiche der Aktiven beider Berliner Pisten veranstaltet. Zu den ersten Karlshorstern die in Mariendorf zur Siegerparade umdrehten, zählte Dieter Leimbach, ein allseits beliebter Rennbahn-Gastronom der Karlshorster Bahn. Seine Bemühungen, eine Einheit der Amateure aus Ost und West zu schaffen, sind bis heute unvergessen.

1990 - Weltrekord der Amateurfahrerinnen

jauss-schwesternErfolgreiche Schwestern

Die Neritzer Gestütsherrin Marion Jauß (geborene Winter) verbuchte 1990 mit 134 Saisonsiegen einen Weltrekord für Amateurfahrerinnen und brachte es in ihrer Karriere auf stolze 1.614 Erfolge. Ihre Schwester, Madeleine Winter-Schulze, holte drei Landestitel im Springreiten und in der Dressur.

Grandes Dames des deutschen Pferdesports:
Marion Jauß (links im Bild) und Madeleine Winter-Schulze!

1993 - Ein Generationswechsel

1993_generationswechselEin Generationswechsel

Nach Anno 1993 endete die Meister-Ära von Gottlieb „Gottl“ Jauß. Der jüngere Herausforderer Michael Hönemann (geb. 1959) errang das erste seiner, bis 2004 angesammelten, elf Berliner Fahrerchampionate. Danach wechselte Publikumsliebling „Pinky“ ins Ausland

 

1994 - Sea Cove

1994_sea_coveEin Publikumsmagnet bewegt die Massen

Für eine Völkerwanderung sorgte 1994 der Start des deutschen Prix d`Amerique-Siegers Sea Cove im Matadoren-Rennen. In der Hand seines Stammfahrers Joseph „Jos“ Verbeeck ließ sich der zweifache Europameister der Traber den Sieg nicht streitig machen. Der gebürtige Kanadier lief für die Farben des norddeutschen  Stalles Cicero.

 

1995 - 100. Traber-Derby

Atom-Rolf räumt ab

1995_100derbyEin Pik König „stach“ am 6. August 1995 im 100. Deutschen Traber-Derby!

Den körperlich recht unscheinbaren Hengst Pik König hatte die Stute „Schwarze Arabeske“ erst als 13. Fohlen zur Welt gebracht. Trotzdem bescherte der Rappe seinem Fahrer/Trainer Rolf Dautzenberg (1945-2005) das erste Blaue Band. „Atom-Rolf“, wie ihn seine große Fangemeinde taufte, wurde 1976 Europameister und landete 5.318 Siege, darunter mehr als 100 in Zuchtrennen.

 

1999 - Rekord beim Matadoren-Rennen

Bahnrekord beim Matadoren-Rennen

1996_general_november

Dank einer regelrechten Leistungsexplosion kam der von Rolf Dautzenberg gesteuerte General November am  4. August 1996  zu Derby-Ehren. Für den nächsten Paukenschlag sorgte der Dunkelbraune lediglich drei Jahre später, als er – nun von Thomas Panschow vorgestellt – im Matadoren-Rennen den Bahnrekord auf 1:12,1 drückte.

 

2000 - Sieger des neuen Milleniums

2000_milleniumDas Matadoren-Rennen - Den körperlich recht unscheinbaren Hengst Pik König hatte die Stute „Schwarze Arabeske“ erst als 13. Fohlen zur Welt gebracht. Trotzdem bescherte der Rappe seinem Fahrer/Trainer Rolf Dautzenberg (1945-2005) das erste Blaue Band. „Atom-Rolf“, wie ihn seine große Fangemeinde taufte, wurde 1976 Europameister und landete 5.318 Siege, darunter mehr als 100 in Zuchtrennen.

 

 

2000_milleniumDen Derby-Erfolg in der Rennrekordzeit von 1:13,3 errang am 6. August 2000 der alles überragende Abano As in der Hand von Peter J. Strooper. Am 26. Januar 2003 sollte der deutsche Hengst dann – 50 Jahre nach Heitmanns Permit – sogar den Prix d`Amerique zu Paris-Vincennes gewinnen!

 

2003 - Quadriga Day

Ben Hur besucht die Spree

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Der „Quadriga-Day“ elektrisierte am 13. Juli 2003 mehr als 18 000 Schaulustige. Neben drei Trabrennen faszinierten Wettkämpfe historischer Kampfwagen in „Sprint“, „Slalom“ und „Race“. Zu Ehren kam der in Feldkahl im Landkreis Aschaffenburg wohnende Klaus-Dieter „Bare-Footy“ Hufgard (Bild links); in Deutschland und Österreich als Wagenlenker bekannt und gefürchtet.

Einer der anderen Teilnehmer hatte es sich nicht nehmen lassen, mit seinen „4 PS“ sogar am Brandenburger Tor vorzufahren. Zur Freude einiger japanischer Touristen. Wie die Berliner Stadtwache auf die Zuschaustellung antiker Kriegstechnologie reagierte, ist nicht überliefert...

2003_quadriga_day2003_quadriga_day

 

2003 - Schultheiss-Renntag

Zwei Berliner Institutionen feiern gemeinsam

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Der Schultheiss-Renntag zum Auftakt der Derby-Woche 2003, erstmals in Regie der neuen Führungsriege um Ulrich Mommert, lockte 18 000 Zuschauer an. Die Schultheiss-Brauerei ist bereits seit den 50iger Jahren ein wichtiger Partner für die Trabrennbahn Mariendorf. Vorführungen mit alten Brauerei-Gespannen (siehe Foto unten) waren ein gern gesehener Programmpunkt bei vielen Renntagen.

 

2003_schultheiss

 

2007 - Bahnrekord!

 

2007_bahnrekord

Der aus Bayern angereiste Gustav Diamant (innen) markierte am 5. August 2007 den aktuellen Bahnrekord. Der von Gerhard Biendl gesteuerte Hengst trabte einen Kilometerschnitt von 1:11,9 über 1.609 Meter!

 

2011 - Deutsch-Französischer Freundschafts-Renntag

Berlin-Mariendorf im Zeichen der Völkerverständigung

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Ein kräftiger Hauch von Paris-Vincennes wehte am 11. März 2011 über das Mariendorfer Areal. Gab sich doch eine Handvoll europäischer Spitzenfahrer die Ehre, welche den Prix d`Amerique neun Mal gewinnen konnten. Extra zu diesem Tag war der Zuschauerbereich auf der Haupttribüne gründlich renoviert worden. Besonders feierte man dann natürlich die Siege des Franzosen Pierre Levesque und des Belgiers Joseph Verbeeck.

 

2013 - Grandioser Derby-Sieg von Tiger Woods As

 

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Das 118. Deutsche Traber-Derby war der Höhepunkt des Mariendorfer Jubiläumsjahres. Das Rennen wurde zum großartigen Triumph des niederländischen Fahrers Robin Bakker und seinem Hengst Tiger Woods As. Der von Paul Hagoort trainierte und für die Farben von Leendert Gerrits und Roman Thomaskamp laufende Traber stürmte nach fünfhundert Metern an die Spitze des zehnköpfigen Teilnehmerfeldes und gewann völlig überlegen.